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Wer waren die irischen Mönche...


Neue Erkenntnisse zur Geschichte der irischen Mönche in Wien präsentierte Dr. Maximilian Alexander Trofaier am 16.3.2026 vor zahlreichem Publikum im Prälatensaal des Schottenstifts. Passend am Vorabend zum Gedenktag des Hl. Patrick referierte der Archivar des Wiener Schottenstifts über die ersten drei Jahrhunderte des Benediktinerklosters. Abt Nikolaus Poch OSB anerkannte in seiner Begrüßung, dass er „mit akademisch geschultem Blick und akademischer Akribie der Frühzeit des Schottenstifts nachgegangen ist“. 

Die Forschungsarbeit, ein Dissertationsprojekt, ist in dem Buch „Die irischen Mönche des Wiener Schottenklosters (1155-1418)“ zusammengefasst. Das Ziel der Arbeit war die Zusammenführung von Erkenntnissen aus drei Bereichen: Geschichtsschreibung des Schottenstifts, der Stadt Wien und des Verbandes der irischen Schottenklöster. Außerdem sammelte und ordnete Dr. Trofaier alle personenbezogenen Daten und konnte sogar biographische Details aus dem Leben der irischen Mönche in Erfahrung bringen. 

Was für das Publikum neu war, stellte Dr. Trofaier für alle verständlich kurz dar: Die irischen Mönche hatten bei ihren Zeitgenossen einen besseren Ruf, als eine Gedenkschrift 50 Jahre nach ihrem Weggang behauptete. Außerdem konnte er die Reihe der Äbte berichtigen.

Er begab sich auf eine umfassende Suche nach neuen Quellen außerhalb des Klosters und überprüfte alle bekannten Quellen, ausgenommen die päpstlichen Register, im Original bzw. in Abbildung. 600 Originalurkunden, 170 Urkundenabschriften, 400 Papstregistereinträge, Annalen, Chroniken etc. aus 60 Institutionen und 11 Ländern flossen in die Arbeit ein. 140 irische Mönche listete er auf, davon 80 neue, die in der Hausgeschichte bisher nicht mit Namen bekannt waren. Er fand heraus, dass drei Äbte in der bisherigen Reihe nicht existierten, dafür ein bis dato unbekannter aufgenommen wurde. 

Anerkannte Mitglieder des städtischen Lebens

Die Verbindung der irischen Mönche zum herzoglichen Hof, zum Klerus und zur Stadtbevölkerung zeigt die Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wurde. Schottenäbte wirkten in der Rechtsprechung, Verwaltung und der Wissenschaft mit – als Kaplan und Sekretär des Herrscherhauses, als Rektor der neugegründeten Universität (Abt Donaldus), als Zeugen und Mitsiegler. Ein Schottenabt wird in einem Brief des Königs Jakob II. von Aragon an seine Tochter Elisabeth von Österreich erwähnt. Bei der Stiftung des Allerheiligenkapitels, dem heutigen Domkapitel zu St. Stephan, war ein Schottenabt beteiligt. Anders als die meisten anderen Schottenklöster auf dem europäischen Festland hatten die Wiener Mönche keinen Bischof vor Ort als Nachbarn, weil Wien bis 1469 zur Diözese Passau gehörte. Der Schottenabt, der eine Mitra (Bischofshut) trug und über eine ausgesprochen große Kirche verfügte, war auch in der Bevölkerung angesehen. Der Wiener Konvent war einer der größten unter den Schottenklöstern: 1318 zählte er 11 Mönche und den Abt, 100 Jahre später immerhin noch 6 Mönche und den Abt.

Prior P. Augustinus Zeman OSB, Kustos des Schottenmuseums, bemerkte anerkennend, dass die Forschungsarbeit „für uns Mönche besonders interessant ist, weil es unsere Mitbrüder sind“. Im Dialog mit dem Archivar gestaltete er den zweiten Teil des Abends. Berührend war der Choralgesang der Choralschola Quasi modo geniti unter der Leitung von MMag. Georg Wais. Die drei Sänger interpretierten Choräle der irischen Mönche, die man in Einbänden von Büchern gefunden hatte. Die Schottenmönche hatten nahezu den gesamten Buchbestand aus Wien nach Regensburg mitgenommen, als sie 1418 auf Anordnung von Papst Martin V. übersiedelt waren. Nur Reste von Notenblättern blieben als Makulatur zurück, die spätere Generationen zum Einbinden von Büchern verwendeten. Das interessierte Publikum hörte am Vortragsabend ein Responsorium zum Benediktusfest über die Kindheit des Hl. Benedikt und eine Antiphon aus dem Officium zum Fest des irischen Missionsbischofs Kilian über die Gottsuche – beides aus der Zeit der Wiener Iren.

Die Liturgie der Mönche war auf Latein, aber sie sprachen Deutsch. Das kann man aus den Urkunden schließen, welche die Mönche zu Rechtsgeschäften ab 1300 auf Deutsch verfassten. Konventualen des Schottenstifts studierten an der juridischen Fakultät der Universität Wien. Sie reisten im Auftrag des Papstes in juristischen Fragen durch Österreich, Mähren und Ungarn und waren vor Ort für kirchliche Gerichtsbarkeit verantwortlich. Die landfremden Mönche nahmen am Leben der Stadt Wien teil, „wie es bei Benediktiner üblich ist“, erzählte Dr. Trofaier. Ihnen fehlten aber verwandtschaftliche Netzwerke. Die Eintrittsbedingungen für das Kloster waren exklusiv: Ursprünglich kamen die Schottenmönche aus dem Norden, später aus dem Süden Irlands. Rekrutierungszentren waren Ross Carbery im heutigen County Cork und Cashel im heutigen County Tipperary. Die Mönche waren reguläre Benediktiner

Warum mussten sie Wien verlassen? Herzog Albrecht ließ sich von einem Universitätsprofessor beraten, der Förderer der Melker Reform war. Es sollten ortsansässige Männer in das Schottenstift aufgenommen werden. Die Kritik an der Lebensführung der Mönche dürfte eine nachträgliche Rechtfertigung der Reformbewegung gewesen sein, denn Papst Martin V. bemängelt den Zustand der Benediktinerklöster im Allgemeinen viel schärfer als die Situation im Schottenkloster. Außerdem waren die Reformer strenger als die gültigen Regeln, welche das Provinzialkapitel der Benediktiner im Zug des Konzils von Konstanz 1417 in Petershausen beschlossen hatte. Ein tragischer Fall in der Geschichte es Schottenstifts lag damals schon lange zurück: 1235 hatte ein Mönch seinen Abt ermordet.

Ab dem 13. Jh. veränderte sich die klösterliche Landschaft in Irland wie in Europa. Die Mendikantenorden – Dominikaner, Franziskaner – wurden gerade in den Städten populär. So hatten die monastischen Klöster weniger Zuspruch und es wurde schwieriger, Kandidaten für den Einsatz auf dem Festland zu gewinnen. 

Die irischen Mönche verließen 1418 das Wiener Kloster und zogen sich nach Regensburg zurück. Der Senior, erblindet und wenig mobil, blieb in der neuen Gemeinschaft zurück. Im Nekrolog, dem Gedächtnisbuch für die verstorbenen Mönche, ist er unter Österreichern, Bayern und Schwaben angeführt.

Die Präsenz der Iren in Wien blieb dem Wienern im Gedächtnis. Bis heute sind die „Schotten“ in den Bezeichnungen von Straßen und Plätzen und einer Schule präsent: Schottenring, Schottentor, Schottengasse, Schottenbastei und Schottengymnasium. Der Konvent der Mönche pflegt heute bewusst das reiche geistliche Erbe des Klosters, welches die irischen Mönche grundgelegt hatten.

 

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