Kinder erinnerten mit ihren Gesängen und Laternen an den Hl. Martin. In der Pfarre Klein-Engersdorf versammelten sie sich am 11.11. in der Kirche St. Veit. Frau Birgit Schmidt hatte ein Theaterstück für sie geschrieben, in dem eine Frau sich eines Bettlers erbarmt und für ihre gute und zuverlässige Einstellung zur Präsidentin gewählt wurde. Sie erinnerte in ihrer Grundhaltung an den Hl. Martin, der nicht den Ruhm und die Ehre suchte, sondern aus seinem ganzen Wesen mit der Hilfe Gottes Gutes tat. Frau Bianca Sator zeigte am 14.11. mit ihren Schauspielern den zahlreich verammelten Kiindern in der Pfarrkirche Enzersfeld, wie der Hl. Martin den Bettler vor den Stadtmauern Amiens entdeckte, an dem so viele vorbeigegangen waren. Die Pfarrhöfe beider Pfarren wurden zu gemütlichen Orten des Zusammenseins mit Punsch, Martinskipferln zum Teilen und einem Martinsfeuer, an dem man sich wärmen konnte. Elisabeth Stütz backte in Enzersfeld so viele Kipferl, wie Martin alt wurde. In St. Veit wurde das selbstgebastelte Holzpferd von der Pfarrkirche bis zum Pfarrhof mitgezogen, gesichert von den Feuerwehrkameraden aus Flandorf und Hagenbrunn. In Enzersfeld kamen zwei Pferde des k.u.k. Dragonerregiments 2 Nikolaus Graf Pejacsevich mit ihren Reitern und ihrem Oberst Michael Islinger und Begleitern zur Johann-Nepomuk-Kapelle und zogen mit den Kindern zur Pfarrkirche.
Geboren im Jahr 316 n.Chr. war Martinus von seinen Eltern nach dem Kriegsgott Mars benannt worden. Er wurde zu einem Friedensstifter nach den Worten Seines Schöpfers: "Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden." (Bergpredigt, Mt 5).
Noch kurz vor seinem Tod versöhnte er in einer kleinen Stadt die Priester miteinander. Martin war schon 81 Jahre alt, als er zu Gott heimging - so wird das Sterben in der christlichen Tradition oft genannt. “Die Arbeit hatte ihn nicht überwunden, und der Tod sollte ihn nicht besiegen… er fürchtete sich nicht zu sterben und weigerte sich nicht zu leben”, schreibt Martins Biograph Sulpicius Severus wenige Jahre nach seinem Tod.
Über 80 Jahre zu werden bedeutete im vierten Jahrhundert eine kleine Ewigkeit. Martin hatte viel Erfahrung in seinem Leben gesammelt. Zuerst war er 25 Jahre Soldat, wie es das römische Gesetz für den Sohn eines Soldaten vorsah. Geboren in Steinamanger im heutigen Ungarn übersiedelte er mit seinen Eltern ins norditalienische Pavia. Dort lernte er das Christentum kennen und ließ sich mit 18 oder 36 taufen, das ist nicht genau bekannt.
Er war auf jeden Fall noch Soldat. Seine Taufe und damit seine Nähe zu Christus bestärkten seine innere Grundhaltung, Gott und den Nächsten zu lieben.
Mit 40 konnte er sich seinen Lebenstraum erfüllen: Er wurde Einsiedler auf einer Insel bei Genua. Dann gründete er ein kleines Kloster in Mittelfrankreich. Dort hatte er in Hilarius einen geistlichen Lehrer gefunden. Dieser war Bischof von Poitiers. Das Kloster war das erste in Westeuropa, wo Mönche zusammen und nicht als Einsiedler lebten.
Sein Ruf als frommer und wohltätiger Mönch verbreitete sich offenbar schnell, sodass ihn das Volk im 100 km entfernten Tours zum Bischof wählte. Der Lebende nach war er von dieser Idee nicht begeistert, so dass er sich versteckte, aber durch das Geschnatter von Gänsen verraten wurde. Sein geteilter Soldatenmantel wurde zu seinem “Wahrzeichen”, in dem sich die Wahrheit der Gottes- und Nächstenliebe zeigte.
Der Hl. Martin konnte auf ein erfülltes Leben unter Gottes guter Führung zurückblicken, als er sich von seinen Mitbrüdern verabschiedete: “Lasst mich, Bürder, … doch lieber den Himmel anschauen”, sagte er zu seinen Mitbrüdern, die ihm am Totenbett anders betten wollten, damit er besser liegt, "…damit mein Geist, der nun seinen Weg gehen soll, die Richtung zum Herrn findet!"