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03.04.2015

„Für euch“ - Was kostet Christsein heute überhaupt?


Christliche Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwestern!

Gründonnerstag, die Stunde der „Einsetzung der Eucharistiefeier“, der Heiligen Messe, wie wir sagen des „Letzten Abendmahls“, die wir ja jeden Tag feiern, die jede Stunde auf dieser Welt gefeiert wird, eine andauernde Haltung, die vollzogen wird. 

„Für euch.“ 

Wir haben in der 2. Lesung die Einsetzungsworte gehört, die im 1. Korintherbrief noch einmal zitiert werden, dass Jesus in der Nacht, als er ausgeliefert wurde, das Brot nahm, das Brot brach und sagte: „Das ist mein Leib FÜR EUCH. Tut dies zu meinem Gedächtnis“. „Für euch wird er gebrochen. Das Blut, der Kelch mit seinem Blut. „Tut dies sooft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis.“ „Er wird FÜR EUCH vergossen.“

Und dieses Wort „für euch“ zieht sich wie eine Überschrift über die gesamte Leidensgeschichte. Jesus stirbt nicht, weil es ein Missverständnis war, ein Justizirrtum, ein Rebell. Sondern er stirbt für die Menschen. Schon als er auf die Welt kommt, heißt es im Credo: „propter nos homines“. „Für uns Menschen ist er vom Himmel herabgestiegen auf diese Welt.“ Das ganze Leben Jesu ist ein Leben f ü r  u n s. Das müssen wir immer wieder bedenken, wenn wir gerade diese Stunde der Eucharistie begehen.

Das Evangelium des Johannes bringt nicht die Einsetzungsworte, bringt nicht diesen Bericht, den wir gerade gehört haben, wo Jesus das Brot nimmt und bricht, sondern es bringt eine Zeichenhandlung, aber es sagt in der Zeichensprache Gottes genau dasselbe aus. Und Johannes sagt es sogar ganz explizit: „Da er die seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.“ Das ist ein ungeheures Wort. 

Die Eucharistie ist die Liebe Gottes bis zur letzten Konsequenz, bis zur letzten Vollendung. Im Vierten Hochgebet wird das sogar noch einmal zitiert. „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.“

Und das zieht sich durch die ganze Passionsgeschichte hindurch, als er am Kreuz angenagelt wird, das Wort sagt: „Vater, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun.“ Wo er am Kreuz hängend, seinen Lieblingsjünger Johannes seiner Mutter übergibt. „Sohn, deine Mutter.“ Und zu Maria sagt: „Mutter, siehe da dein Sohn.“ Er gibt das Kostbarste, was er hat. 

Freilich bleibt das unbegreifliche Wort auch: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!?“ Die letzte Gottesverlassenheit, die Zerrissenheit. Einerseits gibt er alles her. Andererseits fühlt er sich verlassen bis zum Letzten. Allerdings zitiert er den Psalm 22, wo es dann am Schluss heißt: „Gott hat das Werk getan. Er hat das Werk vollendet.“

Aber dieses „Für euch“ zieht sich durch alle Ostererscheinungen hindurch. Er geht mit den Emmaus-Jüngern einen ganzen Tag, und sie weinen sich aus: „Bist du der einzige, der nicht weiß, was hier geschehen ist in Jerusalem in diesen Tagen.“ Und er lässt sie ausreden und ausweinen und erklärt ihnen anhand der Schrift, warum er für sie leiden musste, anhand des „Gottesknecht-Liedes“ Und am Abend nimmt er wieder das Brot in die Hände, feiert mit ihnen Eucharistie in der Herberge. Und bei den Worten: „Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird.“ entschwindet er ihren Blicken. 

Am See Genezareth kommt er zu den Jüngern zurück. Sie haben eine Nacht lang nichts gefangen. Er gibt ihnen einen Rat, wo sie doch fangen können, und als sie ans Ufer kommen, hat er ihnen das Frühstück bereitet. Er ist für uns. Der Gott, der für uns ist. Jesus Christus. 

So ist die Fußwaschung, die wir jetzt gehört haben, die Zeichensprache Gottes ohne viele Worte. Allerdings: 

Wie reagiert denn der Mensch darauf? 

Dass Gott für uns ist, ist ein kostbares Geschenk, das zu wissen. Aber wie reagiert denn der Mensch darauf? Und hier sieht man eigentlich interessanterweise in der Apostelgeschichte zwei Apostel herausragen. Der eine ist der Judas. Der andere ist der Petrus. Und das ist interessant: Es gibt immer einen Judas in der Kirche und immer einen Petrus. 

Der Judas kommuniziert. Er ist dabei, als Jesus das Brot bricht und den Jüngern gibt. Bei Johannes heißt es: „Es hat der Teufel dem Judas schon in das Herz geben, Jesus zu verraten.“ Und er geht erst nach der Kommunion hinaus und verrät Jesus. Im anderen Evangelium geht er vorher hinaus, interessanterweise.

So ist die Frage: Wie reagiert der Mensch auf dieses Angebot der Liebe Gottes? Es ist nicht selbstverständlich, dass er mit Glaube und Hingabe reagiert. Auch Petrus hat sich schwer getan. Auch Petrus ist der Apostel, der himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt ist. „Meister, ich werde dich nie verraten.“ Und trotzdem auch nach der Kommunion geht er hinaus und verrät am Ölberg Jesus. Obwohl er wenige Stunden vorher Leib und Blut empfangen hat. 

So ist immer die Frage: Die Apostel sind sich gar nicht so sicher. Denn als Jesus sagt: „Einer von euch wird mich verraten“ stellen sich alle die Frage: „Herr bin ich es?“ Das hat mich immer am meisten erschüttert, dass sie gar nicht sicher sind. Jeder hält sich für fähig, ihn zu verraten. Ich glaube, diese Unsicherheit ist etwas ganz Entgegengesetztes zu dem, wie wir oft umgehen, auch mit der Eucharistie, mit der Kommunion, mit der Messe, mit der Kirche, mit dem Angebot Gottes. 

Für uns ist vieles so selbstverständlich. Wir gehen hin und nehmen, weil’s ja eh gegeben wird. Aber in Wirklichkeit ist das ein großes Geschenk, was ein kostbares Geschenk ist, ein Geschenk, das nicht selbstverständlich ist. Wie viele  Christen müssen unendlich viel auf dieser Welt investieren, damit sie Christen sein dürfen. 

Was kostet Christsein heute überhaupt? 

Viele Menschen. Wir haben das Glück es einfach so, - ja wir können hingehen oder auch nicht, so quasi. Aber letztlich ist es ein unendlich kostbares Geschenk. Es geht hier um Leben und Tod Jesu Christi, letztlich aber auch um unsere eigene Einstellung zum Glauben hin. 

Wir haben in der 2. Lesung gehört, wo – 11. Kapitel im 1. Korintherbrief – Paulus das zitiert. Er schreibt das aber zu den Korinthern, die nicht wissen, wie sie mit der Eucharistie umgehen sollen. Sondern die einen essen und trinken, sind schon betrunken, haben schon viel Agape gefeiert vorher, die anderen kommen zu spät usw. Und Paulus sagt: „Wer nicht würdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht.

Ich glaube, dass man sich auch die Frage stellen muss: Mit welcher Ehrfurcht gehe ich denn heran zum Tisch des Herrn? Es ist der Auferstandene, der mir Anteil schenkt an seinen Leben. Wenn wir zur Eucharistie gehen, zur Messe gehen, gehen wir zum innersten Kern unseres Glaubenslebens. Das sind nicht irgendwelche frommen Sätze. Es ist Jesus, der Auferstandene, der hier ist wie bei den Emmaus-Jüngern und den Jüngern das Brot bricht: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut, das für euch hingegeben wird.“

Wenn wir diese Haltung der Achtung, der Ehrfurcht bekommen haben, dann lernen wir langsam wie Petrus immer mehr hinein zu wachsen in diesen Glauben, mit allen Schwierigkeiten, die Petrus gehabt hat. Aber am Schluss kann er sagen: „Du weißt alles Herr. Du weißt auch, dass ich dich liebe.
Amen. 

Abschrift der Homilie von P. Bonifaz Tittel OSB 
für die Eucharistie feiernden Gemeinde von Breitenlee 
2. April 2015 – Gründonnerstag – Hoher Donnerstag – Messe vom Letzten Abendmahl
L1: Ex 12, 1-8.11-14
L2: 1 Kor 11, 23-26
Ev: Joh 13, 1-15




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