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25.12.2016

Gott wird Mensch, damit wir geheiligt werden.


Christliche Gemeinde! Liebe Brüder und Schwestern!

In der gestrigen Nacht ist der Blick mehr auf dem Kind geruht. „Ihr werdet nach Bethlehem gehen“ heißt es zu den Hirten „und ihr werdet ein Kind in der Krippe finden. Das wird euch ein Zeichen sein.“

Heute hören wir eine viel schwierigere Stelle, fast abstrakter. Da ist die Rede von Gott, vom Himmel, von Gott im Himmel, der von Anfang an war. „Im Anfang war das Wort bei Gott. Durch das Wort, ist alles geworden. Es wurde alles durch das Wort und nichts ist geworden, ohne dieses Wort. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht.“ Das sind wuchtige Sätze, die hier vom Himmel sprechen. 

Es ist eigentlich schade, dass man in der Kirche nicht mehr vom Himmel spricht. Die Rede vom Himmel ist irgendwie in unserer sehr materialistischen Welt verloren gegangen. Aber die Kirche ist der Wegweiser zum Himmel. Der Pfarrer von Ars fragte nach dem Weg nach Ars, als er dort Pfarrer wurde. Und der kleine Hirtenbub zeigte ihm den Weg. Und er sagte zu ihm: „Du zeigst mir den Weg nach Ars. Ich zeige dir den Weg zum Himmel.“ Die Kirche hat die Aufgabe, dorthin den Blick zu richten und die Menschen dorthin zu führen. 

In jeder altrussischen Stadt war im Zentrum der Stadt eine Kirche "Maria-Aufnahme-in-den-Himmel", damit die Menschen inmitten ihres oft sehr schweren Alltags den Blick richten auf ihr Ziel. Und das Ziel ist der Himmel.

Ich habe am letzten Montag, ich höre immer am Montag und am Dienstag Beichte im Stephansdom, etwas sehr Beeindruckendes erlebt. Da kommt nach der Beichte, sonst könnte ich es ja nicht erzählen, nach der Beichte kommt eine Frau dann hinter dem Gitter hervor und sagt zu mir: „Wissen Sie, ich war schon klinisch tot, Herzinfarkt, Herzstillstand.“ Und dann berichtet sie, was man ja auch schon kennt, diese Nahtoterfahrung, dass sie plötzlich in einer anderen Umgebung ist, in einer Heimat gleichsam. Sie fühlt sich komplett angenommen: Licht, Wärme. Sie sieht quasi zwei Wege. Der eine ist zu Ende. Der andere macht eine scharfe Biegung. Auf den wird sie jetzt hingestellt. Alssie aufwacht, ist sie hier im AKH und ist traurig, dass sie die Erfahrung nicht weiter haben kann. Und auch das hört man immer wieder.

Eigentlich wird da nur berichtet, was uns das Evangelium immer wieder sagt, dass nämlich der Himmel Erfüllung der Sehnsucht ist. Dort wird alles, was wir auf Erden suchen, angenommen werden, das Gefühl zu haben, zuhause zu sein, angekommen zu sein, Heimat zu haben. Das wird ja im Hebräerbrief ausgesprochen: „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Unsere Heimat ist im Himmel nicht hier auf Erden, sondern dort ist unser Ziel und dorthin sind die Menschen vorausgegangen, unsere älteren Brüder und Schwestern. Die Heiligen sind dort und uns zugewandt. Das ist ja das Großartige, dass der Himmel das Miteinander ist, das Füreinander ist. Und Jesus sagt in den Abschiedsreden, die ja eigentlich vom Himmel handeln: „An jenem Tage werdet ihr mich nichts mehr fragen.“ Was gibt es eigentlich großartigeres, als dass im Licht Gottes das ganze Leben klar wird, hell wird, durchsichtig wird. Alle Fragen, die wir hier auf Erden nicht lösen können, von Krieg und Terror und was es an Ungerechtigkeiten gibt. „An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen und eure Freude wird vollkommen sein.“ Das ist doch eigentlich großartig. 

Und in diesem Himmel wohnt und lebt Gott. Und das Geheimnis von Weihnachten, das wir nicht verstehen werden, dass Gott diese Heimat verlässt, den Himmel verlässt, um in die Krippe zu gehen. Gott verlässt die Glückseligkeit. Der Philipper-Brief hat einen ganzen Hymnus davon: „Er, der Gott gleich war“, dem nichts gefehlt hat, der im Himmel ist, er verzichtet auf all das und „wird arm, wird wie ein Sklave und uns Menschen gleich, entäußert sich und wird einer von uns.“

Wenn Gott in die Welt kommt, dann legt er alles zurück, was ihn als Gott auszeichnet. Er wird ganz einer von uns: verletzlich, man kann ihn verraten, man kann ihn annehmen, man kann ihn abweisen. Er kam in sein Eigentum, aber dieses Eigentum ist ihm schon fremd geworden. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Sie kümmern sich um ganz etwas anderes, um Gedanken herumkreist. Wen interessiert denn heute schon wirklich Gott? Freilich kann man sagen: spirituelle Sehnsucht, alles das, aber das muss man dann auch praktizieren und nicht nur als ein schönes Gefühl haben. „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Und dennoch zieht er sich nicht zurück. Er bleibt bis in die Wirklichkeit des Kreuzes, die letzte Gottverlassenheit, dort wo er selber sagt: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der letzte Winkel der Gottverlassenheit ist von Gott schon ausgefüllt worden durch diese Menschwerdung. 

Es gibt eine großartige Ikone, ich hab davon schon öfters gepredigt, von Andrej Rubljow. Da sieht man in der Mitte Christus als den Hohen Priester in byzantinischem Gewand. Zur Linken des Betrachters sitzt Gott Vater. Auf der rechten Seite sitzt der Heilige Geist. Alle drei schauen, ein Kunstwerk so etwas darzustellen, einander an. Und Gott Vater fragt gleichsam, er schaut fragend den Sohn an: „Willst du wirklich gehen? Willst du wirklich in diese Welt gehen, die dich dann kreuzigen wird?“

Und der Hebräerbrief gibt die Antwort, interessanterweise genau auf diese Frage. Er sagt: „Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: ‚Ja ich komme um deinen Willen zu tun. Deinen Willen zu tun, ist mir Freude. Ich komme, Gott, deinen Willen zu tun. ‘“ Er wird Mensch, damit wir geheiligt werden. Er wird Mensch, damit wir erlöst werden, von der Sünde, von der Gottesferne. Und Sünde ist in erster Linie die Gottesferne. 

Und der Heilige Geist blickt beide an und sagt: „Ich werde bei dir sein.“ Und Christus wird sein Leben lang geführt und getrieben vom Heiligen Geist, bis zur Auferstehung. „Auferweckt durch den Heiligen Geist.

Damit’s ein bisschen noch klarer wird: Wie ist denn der Umgangston des Himmels? Wie geht man da miteinander um? 

Ich bin immer ganz beeindruckt von Lourdes. 1858. Als die Muttergottes, die ja im Himmel, Königin des Himmels ist, einem kleinen Mädchen, 14 Jahre erscheint, das Mädchen ungebildet, kann kaum lesen und schreiben, bereitet sich auf die Erstkommunion vor. Damals hat man sich mit 14 darauf vorbereitet. Und die Muttergottes erscheint dem Mädchen. Und die erste Frage, die sie dem Mädchen stellt, ist, ich sag’s Französisch: „Voulez-vous me fair la grâce de venir ici pendant quinze jours?“ „Würden Sie mir die Gnade erweisen, 15 Tage herzukommen?“ Sie, die selber voll der Gnade ist, fragt ein Bauernmädchen: „Würden Sie mir die Gnade erweisen, herzukommen?“ Was für eine unglaubliche Höflichkeit, Achtung steckt dahinter? So geht man im Himmel miteinander um. Nicht fahrlässig, grob, besitzergreifend, sondern sie verbeugt sich vor dem Bauernmädchen. Und sagt dann sehr nüchtern: „Ich verspreche Ihnen nicht, in dieser Welt glücklich zu werden, wohl aber in der anderen“, weist sie darauf hin, auf die Zukunft des Ganzen. Das ist die Tonart des Himmels.

In den weihnachtlichen Gebeten, wir haben gerade das erste gehört in der Oration, ist immer wieder die Rede vom „Heiligen Geschäft“, vom „sacrum commercium“, vom „Heiligen Tausch“ könnte man auch sagen. Gott tauscht seine Göttlichkeit mit unserer Menschlichkeit. Gott wird Mensch, damit der Mensch zu Gott werde. Gott tauscht seinen Thron, den Thron des Himmels gegen eine Krippe, damit der Mensch auf den Thron Gottes gelangt. Ein Mensch sitzt am Thron Gottes, Jesus Christus. Und er selber verheißt denen, die treu bleiben bis zum Ende, dass sie mit ihm auf dem Thron sitzen werden. Das ist das Geheimnis von Weihnachten.

Und der Hl. Papst Leo sagt das sehr deutlich: „Christ erkenne doch deine Würde. Du bist der Göttlichen Natur teilhaft geworden. So kehre nicht wieder zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht mehr unter deiner Würde. Durch das Sakrament der Taufe wurdest du zum Tempel des Heiligen Geistes. Verjage nicht durch deine Sünden den Hohen Gast, der in dir Wohnung genommen hat.“

Amen. 

Abschrift der Homilie von P. Mag. Bonifaz Tittel

für die Eucharistie feiernde Gemeinde in Breitenlee

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