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25.09.2016

Wer an Liebe reich ist - das ist der Himmel!


Christliche Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn man dieses eindrucksvolle Evangelium vom „reichen Prasser“ hört , wie es heißt, und dem „armen Lazarus“, muss man gleich zwei Dinge feststellen, damit es nicht in die falsche Kehle kommt: Es ist kein Blick in das Jenseits. Wir erfahren heute nicht, wie es im Jenseits ausschaut. 

Es heißt einmal: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ Wir wissen nicht, wie das Jenseits ausschaut. Wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten. Wir haben eine Ahnung davon, was Glück bedeutet, wenn wir geliebt werden, anerkannt werden, angenommen werden. Aber die Fülle des Himmels ist uns jetzt nicht zugänglich. Auch nicht die Hölle. Wir haben eine Ahnung, wenn wir wissen, was Hass und Neid und Kälte bedeuten. 

Wir haben auch keine Vorstellung, was Ewigkeit bedeutet. Ewigkeit heißt nicht: lange Zeit, sondern die Fülle des Ganzen, das Leben in Fülle.
Und, wenn die Apokalypse die Bilder vom neuen Jerusalem, der neuen Welt zeigt, dann sind das Bilder, die uns diese Fülle vor Augen stellen wollen. 

Es ist also nicht der Blick zu diesem Lazarus und zu dem Reichen im Jenseits, sondern das Evangelium möchte etwas Anderes sagen.

Das Zweite, was sicher nicht ausgesagt ist, dass der, der reich ist, automatisch verdammt wird, und dass der, der arm ist, automatisch glücklich ist. Schon das wird in der Bergpredigt genauer ausgedrückt, wenn es heißt: „Selig sind die Armen vor Gott“, das heißt die Armen im Geiste. Selig, die vor Gott arm sind. Armut an sich ist kein glücklicher Zustand. Armut ist zunächst einmal ein Mangel.

Wohl aber weist die Schrift immer auf die Gefahr des Reichtums hin, dass der Mensch, der alles besitzt oder glaubt, alles zu besitzen, den Blick für andere verliert. Der "gute" Prasser, der Reiche, sieht den Lazarus vor der Tür gar nicht. Es kümmert ihn auch nicht. Und das ist das Problem: Der Reichtum der falschen Sicherheit. Reichtum heißt in der Hl. Schrift: worauf man baut, worauf man sein Leben setzt, das ist der Reiche: auf Macht, auf Einfluss, Beziehungen, materiellen Wohlstand. Und dann kann man ein hartes Herz bekommen. 

Wenn man sein Leben auf den trügerischen Reichtum setzt - davon handelt das Gleichnis von dem dummen Kornbauern, der reich ist, der eine gute Ernte hat. Wir feiern ja heute Erntedankfest. Und er sagt: „Lass es dir gut gehen. Die Scheunen quellen über von der Ernte. Iss und trink und lebe.“ Da sagt Gott zu ihm: „Heute noch wird von dir Rechenschaft über dein Leben gefordert. Heute noch muss du Rechenschaft ablegen.“

Reichtum ist an sich nichts Negatives. Gott selber wird als „der Reiche“ bezeichnet. Wir haben gerade gesungen in dem schönen Lied: „denn du bist unermesslich reich. Nichts kommt deiner Güte gleich.“ Im Slawischen, also im Russischen, heißt Gott der Reiche. Bogatykh Bog. Der Reiche. Er ist an allem reich.

Wir haben gerade jetzt vorhin gebetet. „Jesus, der reich war, wurde aus Liebe arm und durch seine Armut hat er uns reich gemacht.“ Es kommt darauf an, woran wir reich sind. Der materielle Reichtum kann den Menschen auf sich zurück werfen. Das ist das berühmte „in sich verkrümmte Herz“. „cor in se curvatum“ sagt die Theologie. Das in sich verkrümmte Herz, das nur noch um sich kreist.

Wer an Liebe reich ist, geht aus sich heraus und geht auf die anderen zu. Das ist der Himmel. Wer an Liebe reich ist, der kann Gemeinschaft aufbauen, der kann andere Menschen in sein Leben hinein nehmen, der sieht auf die Not, die ein Anderer hat. 

Wir hören heute das einzige Mal einen Namen in einem Gleichnis. Sonst sind Gleichnisse immer namenlos. „Ein Reicher.“ „Ein Vater hatte zwei Söhne.“ Heute wird das erste Mal der Name Lazarus genannt. Und der Name Lazarus kennen wir ja, die beiden Schwestern: Martha und Maria, sind Freunde Jesu. Und genau dort geschieht es, dass Jesus als siebentes Wunder den Lazarus von den Toten auferweckt. Das letzte Wunder im Johannes-Evangelium vor der Auferstehung Jesu.

Und tatsächlich Lazarus wird von den Toten auferweckt und die Leute kommen nicht zum Glauben. Im Gegenteil: die Totenerweckung des Lazarus ist für die Pharisäer ein Grund, um Jesus umzubringen und Lazarus auch noch dazu. Die Totenerweckung bringt niemanden zum Glauben.

Was bringt den Menschen dann zum Glauben? Und das ist einfach großartig, wie das hier gesagt wird: „Sie haben Moses und die Propheten. Auf die sollen sie hören.“ Sie haben die Hl. Schrift. Sie haben den Pfarrer, der predigt. Sie haben die Kirche. Alles ist ihnen schon gegeben. Wenn sie dann zum Glauben kommen, dann gehen sie auf dem rechten Weg. 

Nicht die großen Wunder, die Totenerweckungen, das bringt niemanden zum Glauben, sondern das Alltägliche des Glaubens

Und in dem Sinne kann man Sie nur beglückwünschen, dass Sie auf dem richtigen Weg gehen, wenn Sie heute am Sonntag zur Messe kommen. Denn es ist genau das, was das Leben bereichert. Das ist das, was zum ewigen Leben hinführt. Das ist das, was uns klarmacht, worauf es eigentlich ankommt, der eigentliche Reichtum des Wortes Gottes, das die Kraft hat, das Leben zu verändern, der Glaube, der das Leben prägt und tragen kann. Das ist eigentlich, worauf wir unser Leben setzen. Das ist unser Reichtum. Alles andere vergeht. 

Wir feiern heute, und das ist ein großartiges Fest, Erntedank, damit wir uns eben bewusst machen, dass nicht alles selbstverständlich ist, sondern, dass wir eigentlich Beschenkte sind. Wir leben in einer Welt, die unglaublich kompliziert konstruiert ist. Würde die Welt hundert Kilometer näher oder ferner von der Sonne sein, würden wir entweder verbrennen oder in Kälte zugrunde gehen. Das Leben ist unglaublich fein austariert. Schauen Sie den eigenen Körper an. Die Körpertemperatur geht immer um 36,5° oder so weiter. Bei 37° haben wir erhöhte Temperatur. Ist sie 38° ist man krank. Wie fein austariert ist doch eigentlich die Natur!

Wir können aus dem Buch der Natur auch Gott erkennen, sagt der Hl Paulus immer wieder, wenn man die Natur anschaut, den Schöpfer. Nichts ist zufällig geradeso entstanden. Wie kompliziert ist doch das menschliche Leben, dass es funktioniert. Was muss da eigentlich alles zusammenspielen. Wir merken’s erst dann, wenn es fehlt, wenn wir krank sind.

Alles das soll uns Anlass sein, einmal Danke zu sagen. Danke, dass Gott uns so erhält, dass er uns die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit schenkt. In diesem Sinne treten wir ein in die Stunde der Eucharistie. Eucharistie heißt nichts anderes als Dankeschön.


Abschrift der Homilie von P. Mag. Bonifaz Tittel OSB
für die Eucharistie feiernde Gemeinde in Breitenlee 
25. September 2016 –  26. Sonntag im JK LJC - Erntedankfest
L1: Am 6, 1a.4-7
L2: 1 Tim 6, 11-16
Ev: Lk 16, 19-31




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